Bericht

Die Emotionen kochten hoch. Das Rennen war vorbei, der McLaren beschädigt – und Lando Norris stinksauer. Beim Safety-Car-Restart in Baku hatte Franco Colapinto den Bremspunkt für Kurve 1 verpasst. Der Alpine-Pilot kollidierte mit seinem Teamkollegen Pierre Gasly, der anschließend auch Norris traf. Für alle drei war das Rennen beendet. Für Norris war das besonders bitter. Nach einem ohnehin schwierigen Wochenende hatte er gerade noch einmal die Chance bekommen, sich mit frischen Soft-Reifen nach vorne zu kämpfen. Wenige Augenblicke später stand sein McLaren in der Auslaufzone. Direkt nach dem Rennen ließ Norris seinem Frust freien Lauf. Er sprach davon, dass es Fahrer gebe, die nicht in die Formel 1 gehörten, und forderte sogar eine Sperre für Colapinto. Harte Worte – vielleicht zu harte. Mit etwas Abstand zum Rennen hat Norris nun selbst die Konsequenzen daraus gezogen. Der McLaren-Pilot erklärte, dass er Colapinto bereits nach dem Rennen persönlich geschrieben und sich für seine Aussagen entschuldigt habe. Seine Emotionen seien hochgekocht, doch genau das wolle er nicht als Ausrede gelten lassen. Norris räumte offen ein, dass seine Worte falsch waren. Eine bemerkenswerte Reaktion. Denn natürlich bleibt der Ärger über das verlorene Rennen verständlich. Norris war an der eigentlichen Kollision unbeteiligt und wurde zum Passagier eines Unfalls, den er selbst nicht verhindern konnte. Trotzdem erinnerte er daran, dass auch ihm in seiner Karriere bereits Fehler passiert sind. Motorsport findet am Limit statt – und manchmal reicht ein einziger falsch gewählter Bremspunkt, um das Rennen mehrerer Fahrer innerhalb weniger Sekunden zu zerstören. Auch Colapinto hatte sich nach dem Unfall nicht herausgeredet. Der Argentinier übernahm die Verantwortung und entschuldigte sich bei seinem Team und den Beteiligten. Damit scheint der persönliche Streit zwischen beiden bereits wieder beendet zu sein. Norris bestätigte, dass er und Colapinto nach ihrem Austausch weiterhin gut miteinander befreundet sind. Beide wollen den Vorfall hinter sich lassen und sich auf das nächste Rennwochenende konzentrieren. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Geschichte hinter diesem Unfall. In der Formel 1 geht es um Zehntelsekunden, enorme Erwartungen und Emotionen, die unmittelbar nach einem Ausfall kaum größer sein könnten. Entscheidend ist aber auch, was passiert, wenn der Helm abgesetzt ist und der erste Ärger verflogen ist. Norris hätte seine Aussagen einfach stehen lassen können. Stattdessen hat er selbst eingeräumt, dass er zu weit gegangen ist, und sich direkt bei dem Fahrer entschuldigt, den er wenige Stunden zuvor noch so scharf kritisiert hatte. Baku wird für McLaren trotzdem ein Wochenende zum Vergessen bleiben. Null Punkte, ein beschädigtes Auto und viele offene Fragen rund um den MCL40. Zwischen Norris und Colapinto scheint dagegen wieder alles geklärt zu sein. Jetzt wartet Malaysia – und dort werden wieder die Rundenzeiten sprechen.

Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.