Bericht

McLaren reist mit einer schwierigen, aber keineswegs aussichtslosen Ausgangslage zum Formel-1-Wochenende 2026 in Singapur. Nach den enttäuschenden Auftritten in Baku und beim Großen Preis von Bahrain in Malaysia hat das Team die wenigen Tage vor dem nächsten Rennen genutzt, um die Daten des MCL40 genauer auszuwerten. Dabei ergibt sich ein interessantes Bild: McLaren räumt einerseits ein, momentan nicht die Geschwindigkeit der Spitze zu besitzen, glaubt andererseits aber, zuletzt auch die tatsächlich vorhandene Leistung des eigenen Autos nicht vollständig abgerufen zu haben. Technikdirektor Neil Houldey erklärt vor Singapur: „Wir glauben nicht, dass wir bei den letzten beiden Veranstaltungen die verfügbare Leistung des Autos vollständig ausgeschöpft haben.“ Genau hier setzt McLaren vor dem Wochenende in Marina Bay an. Die Daten aus Baku und Sepang sollen helfen, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie das vorhandene Potenzial des MCL40 konsequenter genutzt werden kann. Dass allein ein besseres Setup alle Probleme lösen wird, behauptet McLaren allerdings nicht. Der Rennbericht aus Sepang fällt deutlich aus: Nach dem turbulenten Rennen bezeichnete das Team den MCL40 in der aktuellen Phase der Saison als viertschnellstes Auto im Feld und erklärte, dass für Oscar Piastri und Lando Norris selbst bei einer besseren Rennabwicklung wahrscheinlich nicht wesentlich mehr als die Plätze sechs und sieben möglich gewesen wären. Piastri kam schließlich als Sechster ins Ziel, Norris nach einem schwierigen Rennen als Neunter. Piastri erklärte anschließend, dass McLaren weiterentwickeln müsse, um die Lücke zu schließen, während Norris ebenfalls deutlich machte, dass dem Auto momentan Geschwindigkeit fehlt. Singapur wird damit zu einem wichtigen Test dafür, wie viel der jüngsten Probleme tatsächlich auf nicht ausgeschöpftes Potenzial zurückzuführen ist und wie groß der grundsätzliche Performance-Rückstand inzwischen geworden ist. Einfach wird diese Antwort nicht, denn ausgerechnet das Streckenprofil des Marina Bay Street Circuit könnte einige Schwächen des MCL40 offenlegen. Houldey warnt: „Unser Auto ist möglicherweise nicht so gut für die langsamen 90-Grad-Kurven geeignet, die wir in Marina Bay sehen.“ Davon gibt es auf dem Stadtkurs reichlich. Gleichzeitig will McLaren daraus noch keine feste Prognose für das Kräfteverhältnis ableiten, weil sich die Reihenfolge der Teams 2026 je nach Strecke mehrfach deutlich verändert hat. Eine weitere Herausforderung ist die Fahrzeugabstimmung. In Singapur muss McLaren den MCL40 in seinem aerodynamisch günstigen Arbeitsfenster halten und gleichzeitig genügend mechanischen Spielraum schaffen, damit das Auto mit Bodenwellen und Kerbs zurechtkommt. Hinzu kommt die enorme thermische Belastung. McLaren nennt ausdrücklich die Kühlung von Motor, Getriebe und Bremsen als wichtige Punkte und weist auch auf die Belastung für die Fahrer hin. Die hohe Luftfeuchtigkeit in Singapur verschärft diese Bedingungen zusätzlich. Viel Zeit, auf Probleme zu reagieren, gibt es diesmal nicht: Singapur ist 2026 erstmals Austragungsort eines Formel-1-Sprints. McLaren hat deshalb am Freitag nur ein einziges Freies Training, bevor bereits das Sprint-Qualifying beginnt. Die Vorbereitung vor dem Wochenende gewinnt dadurch erheblich an Bedeutung. Houldey erklärt, dass McLaren mit einem klaren Plan nach Singapur reisen müsse, gleichzeitig aber auf Streckenentwicklung, Safety Cars und Zwischenfälle reagieren können müsse. Gerade Safety-Car-Phasen spielen auf dem engen Stadtkurs traditionell eine wichtige strategische Rolle. Trotz der schwierigen vergangenen Wochen formuliert McLaren sein Ziel offensiv: „Wir wollen beide Rennen gewinnen und wissen, dass wir ein schnelles Auto haben, aber wir müssen seine gesamte Leistung herausholen.“ Die Aussage zeigt gleichzeitig das Spannungsfeld, in dem sich das Team momentan befindet. McLaren hält den MCL40 grundsätzlich für schnell, hat aber zuletzt weder dessen komplettes Potenzial abgerufen noch genügend reine Performance gezeigt, um regelmäßig um Siege kämpfen zu können. In der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft liegt McLaren vor Singapur mit 316 Punkten auf Rang drei und 89 Punkte hinter dem zweiten Platz. Lando Norris steht mit 188 Punkten auf Rang fünf der Fahrerwertung, Oscar Piastri mit 128 Punkten auf Rang sieben. Noch sieben Grands Prix stehen aus. Das Wochenende in Marina Bay wird deshalb mehr als nur das nächste Rennen: Es dürfte einen wichtigen Hinweis darauf liefern, ob Baku und Sepang vor allem zwei Strecken waren, auf denen McLaren seine Möglichkeiten nicht vollständig nutzen konnte, oder ob der Rückstand des MCL40 zur Spitze inzwischen grundsätzlicher geworden ist.

Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.