Bericht
Christian Horner hat neue Einblicke in einen der bemerkenswertesten Personalkämpfe der jüngeren Formel-1-Geschichte gegeben. Der ehemalige Red-Bull-Teamchef schildert, wie sein Rennstall beim Aufbau der eigenen Motorenabteilung gezielt Fachkräfte des großen Rivalen Mercedes verpflichtete. Doch die Geschichte hat eine überraschende Wendung: Irgendwann wollte Horner den Namen Mercedes innerhalb seines neuen Motorenprojekts nicht mehr hören. DER ANFANG EINES RISKANTEN PROJEKTS: Als Honda 2020 seinen Rückzug als Motorenhersteller zum Ende der Saison 2021 ankündigte, stand Red Bull vor einer schwierigen Zukunftsentscheidung. Statt dauerhaft von einem anderen Hersteller abhängig zu bleiben, entschied sich der Rennstall für den Aufbau einer eigenen Motorenabteilung. In Milton Keynes entstand Red Bull Powertrains, das später gemeinsam mit Ford den Antrieb für die neue Formel-1-Ära ab 2026 entwickelte. Dafür benötigte Red Bull allerdings zahlreiche erfahrene Spezialisten. Und genau hier kam Mercedes ins Spiel. HORNER NUTZTE EINE CHANCE BEIM RIVALEN: Im Interview mit Autosport erklärt Horner, dass er bei Mercedes High Performance Powertrains eine besondere Gelegenheit erkannte. Einige hochqualifizierte Mitarbeiter hätten dort nur begrenzte Möglichkeiten gesehen, innerhalb des Unternehmens aufzusteigen. Red Bull konnte ihnen dagegen die Chance bieten, eine völlig neue Motorenabteilung mit aufzubauen und früh Verantwortung zu übernehmen. Zu den prominentesten Verpflichtungen gehörten Ben Hodgkinson, zuvor bei Mercedes in leitender Position in der Antriebsentwicklung tätig, sowie weitere erfahrene Ingenieure wie Pip Clode, Phil Prew und Steve Brodie. Damit sicherte sich Red Bull nicht nur zusätzliche Arbeitskräfte, sondern wertvolles Wissen aus einem der erfolgreichsten Motorenprogramme der Formel 1. PLÖTZLICH WAR MERCEDES ÜBERALL: Die vielen Neuzugänge brachten allerdings auch ihre bisherigen Arbeitsweisen mit. In internen Besprechungen wurde laut Horner zunehmend darüber gesprochen, wie bestimmte Aufgaben früher bei Mercedes gelöst worden waren. Dem ehemaligen Teamchef ging das schließlich zu weit. Er wollte verhindern, dass Red Bull lediglich die Methoden seines Konkurrenten übernahm, statt eine eigene technische Identität zu entwickeln. Deshalb untersagte er in Besprechungen die ständige Nennung des Rivalen. Mercedes erhielt intern stattdessen die Bezeichnung „Team B“. VOM PERSONALCOUP ZUM RENNSIEG: Jahre später zeigt sich, welche Bedeutung diese Entscheidungen für Red Bull hatten. Seit 2026 tritt das Team mit einer gemeinsam mit Ford entwickelten Antriebseinheit an. Die jüngsten Erfolge von Max Verstappen unterstreichen, dass aus dem einst riskanten Projekt ein konkurrenzfähiges Motorenprogramm geworden ist. Allerdings wäre es zu einfach, die Erfolge allein auf ehemalige Mercedes-Mitarbeiter zurückzuführen: Auch eigene Entwicklungen, zusätzliche Fachkräfte und die Zusammenarbeit mit Ford spielen eine entscheidende Rolle. FAZIT: Horners Aussagen zeigen, wie hart der Wettbewerb in der Formel 1 nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch hinter den Kulissen geführt wird. Red Bull nutzte gezielt die Erfahrung des Rivalen, wollte sich zugleich aber bewusst von dessen Arbeitsweise lösen. Ausgerechnet Mercedes half damit indirekt beim Aufbau eines neuen Konkurrenten im Kampf um die besten Formel-1-Antriebe.
Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.

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