Bericht

Mercedes F1: George Russell erneut mit Defekt – Zuverlässigkeit wird zum großen Problem. Mercedes verlässt Sepang mit einem zweiten Platz – und trotzdem mit einer gewaltigen Enttäuschung. Kimi Antonelli brachte seinen W17 beim Großen Preis von Bahrain in Malaysia als Zweiter ins Ziel. George Russell dagegen musste nur fünf Runden vor Schluss aufgeben, obwohl ein Doppelpodium für die Silberpfeile praktisch zum Greifen nah war. Mercedes bestätigte nach dem Rennen, dass bei Russells Auto ein Problem an der Power Unit vermutet wird. Die genaue Ursache muss noch untersucht werden. Besonders bitter: Russell lag zum Zeitpunkt seines Ausfalls komfortabel auf Rang drei. Dabei hatte Mercedes das schwierige Rennen zunächst hervorragend unter Kontrolle. Nach der langen Regenverzögerung entschieden sich sowohl Antonelli als auch Russell beim tatsächlichen Rennstart für Intermediate-Reifen. Während mehrere Konkurrenten auf Slicks setzten, erwies sich die Mercedes-Entscheidung zunächst als goldrichtig. Beide Fahrer erwischten einen starken Start und schossen bis auf die Plätze eins und zwei nach vorne. Als die Strecke später abtrocknete und das Feld auf Slicks wechselte, änderten sich die Kräfteverhältnisse allerdings. Max Verstappen war im Red Bull nicht zu halten. Mercedes räumte nach dem Rennen offen ein, dass dem W17 die Geschwindigkeit fehlte, um Verstappen ernsthaft um den Sieg herauszufordern. Antonelli und Russell konnten sich dahinter jedoch auf den Plätzen zwei und drei festsetzen. Alles deutete auf ein Doppelpodium hin. Dann kam fünf Runden vor Schluss der nächste Rückschlag für George Russell. Der Brite musste seinen Mercedes mit einem technischen Problem abstellen und verlor damit einen nahezu sicheren dritten Platz. Für Russell ist es nicht der erste bittere technische Rückschlag dieser Saison. Nach dem Rennen war seine Enttäuschung entsprechend groß. "Das war wieder ein harter und enttäuschender Tag für mich – einer von mehreren, die wir in dieser Saison schon hatten." Russell machte gleichzeitig deutlich, wie sehr ihn der Zeitpunkt des Defekts ärgerte. "Es ist wirklich schade, aus dem Rennen auszuscheiden, als wir auf Platz drei komfortabel unterwegs waren." Dabei sah Russell durchaus Fortschritte gegenüber dem schwierigen Qualifying. Auf den Intermediate-Reifen erwischte er einen hervorragenden Start. Auf den Mediums fühlte er sich anschließend weniger wohl, auf den später verwendeten Soft-Reifen dagegen wieder deutlich besser. Für einen Angriff auf Verstappen hätte es nach eigener Einschätzung trotzdem nicht gereicht. "Wir waren zwar nie im Kampf um den Sieg, aber unsere Pace war gut." Genau darin liegt das Dilemma für Mercedes: Das Auto besitzt grundsätzlich genügend Geschwindigkeit für Spitzenresultate. Doch technische Probleme haben das Team 2026 bereits mehrfach wertvolle Punkte gekostet. Russell verlor beispielsweise schon beim Großen Preis von Kanada ein mögliches Spitzenergebnis durch einen Ausfall der Power Unit. Auch andere technische Schwierigkeiten begleiteten Mercedes durch die Saison. Der erneute Ausfall in Sepang macht das Thema deshalb wieder aktuell. Auf der anderen Seite der Garage zeigte Kimi Antonelli, was für Mercedes an diesem Sonntag möglich gewesen wäre. Der Italiener verteidigte Platz zwei bis ins Ziel und holte damit wichtige Punkte für die Konstrukteurswertung. Mehr sei gegen Verstappen allerdings nicht möglich gewesen. "Angesichts unserer Schwierigkeiten an diesem Wochenende denke ich, dass Platz zwei heute das Maximum war, das wir erreichen konnten." Antonelli lobte insbesondere die strategischen Entscheidungen des Teams in den schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig überwog auch bei ihm die Enttäuschung darüber, dass Mercedes das mögliche Doppelpodium verlor. "Es war extrem enttäuschend, George ausfallen zu sehen, als wir einem so guten Teamergebnis und einem Doppelpodium so nahe waren." Auch Mercedes selbst macht keinen Versuch, die Situation schönzureden. Trackside Engineering Director Andrew Shovlin bezeichnete Russells Ausfall als besonders frustrierend, weil der Brite bis dahin ein starkes Rennen gefahren sei und komfortabel auf Podiumskurs gelegen habe. Gleichzeitig räumte Shovlin ein, dass Mercedes unabhängig vom Defekt ein weiteres Problem lösen muss: die reine Geschwindigkeit. "Wir waren nicht schnell genug, um um den Sieg zu kämpfen." Damit nimmt Mercedes gleich zwei große Aufgaben mit nach Singapur. Zum einen muss das Team verstehen, warum der W17 in Sepang trotz des neuen Update-Pakets nicht die erhoffte Performance gegen Red Bull liefern konnte. Zum anderen muss Mercedes den Grund für Russells erneuten technischen Ausfall finden. Viel Zeit bleibt dafür nicht. Bereits vom 9. bis 11. Oktober wartet der Große Preis von Singapur. Auf dem Marina Bay Street Circuit steht zudem ein Sprint-Wochenende an. Mercedes hat damit nur ein Freies Training, bevor es bereits ernst wird. Sepang hat gleichzeitig gezeigt, wie nah Erfolg und Enttäuschung bei Mercedes derzeit beieinanderliegen können. Kimi Antonelli fährt auf Platz zwei und bestätigt damit erneut das Potenzial des W17. George Russell liegt auf Kurs zu einem Doppelpodium – und steht fünf Runden vor Schluss mit einem defekten Auto da. Wenn Mercedes im Saisonendspurt regelmäßig um Siege und Podestplätze kämpfen will, reicht Geschwindigkeit allein nicht. Der W17 muss auch ins Ziel kommen.

Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.