Bericht

Neun Jahre nach dem bislang letzten Formel-1-Rennen in Sepang ist Max Verstappen sofort wieder ganz vorn. Der Niederländer, der 2017 den letzten Grand Prix auf dieser Strecke gewann, setzte beim Comeback mit 1:37,520 Minuten die erste Bestzeit.

Hinter Verstappen setzte Mercedes ein erstes Ausrufezeichen. George Russell beendete die Session mit 0,383 Sekunden Rückstand auf Rang zwei und bestätigte damit zunächst den positiven Eindruck, mit dem Mercedes nach Malaysia gereist war. Isack Hadjar folgte mit 0,783 Sekunden Rückstand auf Platz drei, Charles Leclerc wurde im Ferrari Vierter. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli komplettierte als Fünfter einen insgesamt starken Auftakt für Mercedes.

Doch die vielleicht größte Überraschung des ersten Trainings fand sich deutlich weiter hinten in der Zeitenliste.

McLaren kam bei der Rückkehr nach Sepang zunächst überhaupt nicht in die Nähe der Spitze. Oscar Piastri belegte mit 1:39,276 Minuten lediglich Rang elf, unmittelbar dahinter landete Lando Norris mit 1:39,293 Minuten auf Platz zwölf. Piastri fehlten damit 1,756 Sekunden auf Verstappens Bestzeit, Norris 1,773 Sekunden.

Gerade bei McLaren sollte dieses Ergebnis allerdings mit Vorsicht bewertet werden. Norris und Piastri bestreiten an diesem Wochenende ihren ersten Formel-1-Grand-Prix in Sepang. Das Team hatte bereits vor dem Wochenende darauf hingewiesen, dass trotz intensiver Simulatorarbeit erhebliche Unsicherheiten bestehen. Es fehlen aktuelle Vergleichsdaten mit dieser Fahrzeuggeneration, und insbesondere die tatsächliche Beschaffenheit des Asphalts sowie das daraus resultierende Reifenverhalten ließen sich im Simulator nur begrenzt vorhersagen.

Deshalb wäre es nach nur einer Trainingsstunde viel zu früh, aus den Plätzen elf und zwölf ein grundsätzliches McLaren-Problem abzuleiten. Unterschiedliche Reifen, Benzinmengen, Motorprogramme und Versuchsfahrten können das Bild eines ersten Freien Trainings erheblich verzerren. Trotzdem ist der Abstand auffällig – und macht das zweite Training für McLaren umso interessanter.

An der Spitze sieht die Situation zunächst wesentlich angenehmer aus. Verstappen benötigte offenbar wenig Eingewöhnungszeit. Der Niederländer kennt Sepang aus seiner früheren Formel-1-Zeit und gewann hier 2017, wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag. Neun Jahre später steht sein Name bei der Rückkehr der Königsklasse erneut ganz oben auf der Zeitenliste.

Auch Mercedes kann aus der ersten Session einige positive Signale mitnehmen. Russell fehlten weniger als vier Zehntelsekunden auf Verstappen, Antonelli platzierte den zweiten W17 ebenfalls unter den besten Fünf. Besonders interessant ist das angesichts des neuen Entwicklungspakets, das Mercedes für dieses Wochenende nach Sepang gebracht hat. Ob die starke Platzierung bereits ein Hinweis auf einen echten Fortschritt ist, lässt sich nach FP1 allerdings ebenso wenig abschließend beurteilen.

Hinter den ersten fünf folgte Lewis Hamilton auf Rang sechs. Pierre Gasly brachte Alpine auf Platz sieben, gefolgt von Liam Lawson und Arvid Lindblad. Nico Hülkenberg komplettierte für Audi die ersten Zehn.

Für McLaren begann der Freitag dagegen erst auf den Positionen elf und zwölf. Gabriel Bortoleto wurde 13., Fernando Alonso 14. Dahinter folgten Esteban Ocon, Oliver Bearman, Alexander Albon, Lance Stroll, Franco Colapinto und Carlos Sainz. Die beiden Cadillac von Valtteri Bottas und Sergio Pérez belegten die letzten beiden Positionen.

Neben den reinen Rundenzeiten bestätigte das erste Training vor allem eines: Sepang ist auch neun Jahre nach dem letzten Formel-1-Rennen eine besondere Herausforderung. Die hohe Luftfeuchtigkeit, die Belastung für Fahrer und Technik und der anspruchsvolle Umgang mit den Reifen spielten bereits am Freitag eine Rolle. Schon vor Beginn des Wochenendes hatten mehrere Fahrer vor dem hohen Reifenverschleiß auf dem rauen Asphalt gewarnt.

Damit hat die erste Trainingsstunde mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Ist Red Bull mit Verstappen tatsächlich ein Kandidat für den Sieg? Kann Mercedes seine starke Ausgangslage bestätigen? Und vor allem: War McLarens Rückstand lediglich das Ergebnis eines anderen Trainingsprogramms – oder steckt dahinter ein größeres Problem?

Die nächste Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Im zweiten Freien Training werden die Teams ihre Abstimmungen weiter verfeinern und stärker in Richtung Qualifying und Rennen arbeiten. Erst dann dürfte sich deutlicher zeigen, wie viel Substanz wirklich hinter den ersten Zeiten von Sepang steckt.

Eines hat das Comeback aber bereits geschafft: Nach neun Jahren Pause ist Sepang zurück – und schon die erste Stunde hat gezeigt, warum dieses Wochenende kaum vorhersehbar ist.

Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.