Bericht

Was für ein Rennen! Der Große Preis von Bahrain in Malaysia hat beim Formel-1-Comeback in Sepang nahezu alles geboten: tropischen Starkregen, mehr als 90 Minuten Verzögerung, technische Probleme noch vor dem Start, völlig unterschiedliche Reifenentscheidungen, Safety Cars und Drama bis kurz vor die Zielflagge.

Schon deutlich vor dem geplanten Start um 15:00 Uhr Ortszeit setzte heftiger Regen ein. Gegen 14:39 Uhr wurde er nochmals deutlich stärker, Blitze zuckten über der Strecke und schließlich stand so viel Wasser auf dem Asphalt, dass die FIA den Start verschieben musste.

Als rund 40 Minuten später ein erster Versuch hinter dem Safety Car gestartet wurde, ging es nicht lange gut. Isack Hadjar aquaplanete ins Kiesbett, Max Verstappen konnte zeitweise kaum beschleunigen und auch Lewis Hamilton blieb mit einem Softwareproblem stehen. Die Situation wurde so unübersichtlich, dass die Startprozedur komplett abgebrochen und später die ursprüngliche Startaufstellung wiederhergestellt wurde.

Erst mehr als 90 Minuten nach der ursprünglich angesetzten Startzeit wurde es wirklich ernst – und jetzt begann das große Reifenroulette.

Der Großteil der Spitze entschied sich für Intermediates. Verstappen setzte auf die grünen Reifen, ebenso Kimi Antonelli und George Russell bei Mercedes. Ferrari ging dagegen voll ins Risiko: Lewis Hamilton und Charles Leclerc starteten beide auf trockenen Soft-Reifen. McLaren wählte ebenfalls Slicks, setzte bei Lando Norris und Oscar Piastri allerdings auf Medium.

Damit standen schon vor dem Start völlig unterschiedliche Philosophien gegeneinander: Sicherheit auf Intermediates gegen die Hoffnung, dass Sepang schnell genug abtrocknen würde.

Doch zunächst hatten die Intermediates klar die Oberhand. Antonelli und Russell schossen nach vorn, während Hamilton auf seinen Slicks praktisch keine Chance hatte, das Tempo mitzugehen. Schon nach zwei Runden meldete Hamilton, die Strecke sei extrem nass. Ferrari hielt trotzdem zunächst an der riskanten Strategie fest.

Auch bei McLaren begann jetzt das Hin und Her. Piastri wurde bereits nach Runde zwei von den Mediums erlöst und auf Intermediates gestellt. Norris wollte ebenfalls wechseln, bekam von McLaren zunächst jedoch die Anweisung, draußen zu bleiben. Damit splittete das Team seine Strategie schon in der Anfangsphase.

Ferrari korrigierte wenig später ebenfalls: Leclerc kam nach Runde vier von den Softs auf Intermediates und fiel dadurch bis ans Ende des Feldes zurück. Hamilton dagegen blieb draußen und zog den Slick-Poker deutlich länger durch. Zeitweise lag er rund eine Minute hinter der Spitze – sein Rennen schien praktisch verloren.

Norris hielt etwas länger als Piastri auf den Mediums durch, musste schließlich aber ebenfalls reagieren. McLaren hatte mit dem frühen Slick-Poker nichts gewonnen und befand sich zunächst weit weg von den Positionen, von denen man gestartet war.

An der Spitze entwickelte sich dagegen ein faszinierender Kampf. Antonelli führte zunächst vor Russell, während Verstappen immer stärker wurde. Der Red-Bull-Pilot arbeitete sich an Russell vorbei und setzte anschließend Antonelli unter Druck.

Dann drehte sich die Strategie erneut.

Als Valtteri Bottas in Runde zehn im Kies strandete und das Safety Car auf die Strecke kam, trocknete Sepang bereits schnell ab. Jetzt wechselten die Intermediate-Fahrer auf Slicks. Verstappen entschied sich für Soft, Mercedes schickte Antonelli und Russell auf Medium – und plötzlich waren wieder diejenigen auf Trockenreifen im Vorteil.

Verstappen nutzte diese Phase perfekt. Nach dem Restart holte er sich die Führung zurück und setzte sich zunehmend ab. Russell lag zunächst auf Platz zwei, musste Antonelli aber in Runde 21 passieren lassen, nachdem der WM-Führende deutlich mehr Tempo hatte.

Während Red Bull und Mercedes das Rennen kontrollierten, kämpften sich Ferrari und McLaren durch das Feld. Besonders Hamiltons Rennen wurde immer bemerkenswerter. Nach dem völlig misslungenen Slick-Poker zu Beginn und einem zwischenzeitlichen Absturz bis weit nach hinten arbeitete er sich Position um Position zurück.

McLaren kam dagegen nie wirklich in den Kampf um die Spitze. Norris und Piastri hatten nach dem frühen Strategiechaos viel Boden verloren und auch später fehlte dem MCL40 die Geschwindigkeit, um Red Bull, Mercedes und Ferrari ernsthaft anzugreifen. Piastri wechselte im weiteren Rennverlauf erneut auf harte Reifen, während McLaren auch bei späteren Neutralisierungen reagieren musste. Es blieb ein Sonntag, an dem die Papaya-Autos trotz aller Strategievarianten über weite Strecken im Niemandsland festhingen.

Dann wurde es noch einmal richtig wild.

In Runde 43 blieb Alexander Albon mit einem Getriebeproblem stehen. Zunächst kam das Virtual Safety Car. Verstappen nutzte die Gelegenheit sofort zum Stopp, Mercedes ließ Antonelli und Russell zunächst draußen und holte anschließend beide herein. Kurz darauf wurde aus dem VSC ein vollständiges Safety Car.

Auch McLaren reagierte. Piastri blieb zunächst draußen, kam schließlich aber ebenfalls herein; auch Norris stoppte. Beide McLaren fielen dadurch hinter Leclerc zurück.

Und dann kam der vielleicht bitterste Moment des gesamten Rennens für Mercedes.

George Russell lag auf Platz drei und damit auf Kurs zu einem Mercedes-Doppelpodium, als sein Auto in Runde 50 auf der Start-Ziel-Geraden plötzlich den Dienst quittierte. Mercedes meldete ein Problem an der Power Unit. Russell stellte den W17 ab – fünf Runden vor Schluss war sein Rennen vorbei.

Fast gleichzeitig geriet auch Norris im Chaos hinter dem Safety Car ins Kiesbett und fiel auf Platz elf zurück. Beim Restart kämpfte er sich zwar wieder in die Punkteränge, doch spätestens jetzt war endgültig klar: Für McLaren war dieses Rennen ein gebrauchter Sonntag.

Ganz anders Lewis Hamilton. Der Ferrari-Pilot bekam nach Russells Ausfall seine große Chance. Nach einem Rennen, das nach wenigen Runden praktisch verloren schien, griff er noch einmal an und schnappte sich in Runde 53 Platz drei. Aus einem zwischenzeitlichen Rückstand von rund einer Minute wurde tatsächlich noch ein Podium.

Vorne ließ sich Max Verstappen dagegen nicht mehr aus der Ruhe bringen. Nach dem letzten Restart kontrollierte er das Rennen vor Antonelli und brachte seinen ersten Grand-Prix-Sieg der Saison 2026 nach Hause.

Ausgerechnet Sepang: Dort hatte Verstappen bereits 2017 den bislang letzten Formel-1-Grand-Prix gewonnen. Neun Jahre später gewinnt er nun auch das Comeback der Strecke.

Kimi Antonelli rettete Mercedes mit Platz zwei ein starkes Ergebnis und vergrößerte durch Russells bitteren Ausfall seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft. Hamilton komplettierte nach einer beeindruckenden Aufholjagd das Podium.

McLaren wird diesen Sonntag dagegen genau analysieren müssen. Norris und Piastri starteten gemeinsam aus der dritten Reihe, doch unterschiedliche Reifenentscheidungen, wechselnde Strategien und letztlich auch fehlende Pace sorgten dafür, dass beide im Kampf um das Podium kaum eine Rolle spielten.

Der Große Preis von Bahrain in Malaysia war damit genau das Rennen, das Sepang nach neun Jahren Pause verdient hatte: völlig unberechenbar, strategisch verrückt und bis in die letzten Runden voller Wendungen.

Und am Ende stand derselbe Mann ganz oben wie beim letzten Formel-1-Rennen auf dieser Strecke: Max Verstappen.

UPDATE NACH DEM RENNEN: FIA-ENTSCHEIDUNGEN

Nach dem Großen Preis von Bahrain in Malaysia beschäftigten mehrere Zwischenfälle noch die FIA-Stewards. Inzwischen stehen die Entscheidungen fest:

• Lando Norris erhielt wegen erratischen Fahrens hinter dem Safety Car eine offizielle Verwarnung. Eine Zeit- oder Positionsstrafe gab es nicht – sein Rennergebnis bleibt unverändert.

• Gabriel Bortoleto erhielt wegen der Kollision mit Carlos Sainz eine 10-Sekunden-Zeitstrafe.

• Die Situation zwischen Alex Albon und Oscar Piastri an der Boxeneinfahrt wurde untersucht. Die Stewards sprachen keine weitere Strafe aus.

• Audi erhielt nach Nico Hülkenbergs Boxenstopp wegen eines Unsafe Release eine Geldstrafe von 30.000 Euro, davon 20.000 Euro auf Bewährung. Hülkenbergs Rennergebnis bleibt unverändert.

Bildhinweis: KI-generierte Illustration · keine Originalaufnahme.